Psoriasis

Psoriasis

Die Plaque-Psoriasis, auch Psoriasis vulgaris oder Schuppenflechte genannt, ist eine häufige und fast immer chronisch verlaufende, nicht-ansteckende Autoimmunkrankheit. In den westlichen Industrienationen liegt die Prävalenz für Psoriasis bei 1,5 – 2 %1, davon sind 80 % an Plaque-Psoriasis erkrankt.2 Der restliche Anteil der Betroffenen leidet an einer der anderen Psoriasis-Arten (Psoriasis guttata, Psoriasis der Körperfalten, Psoriasis pustulosa und Psoriasis erythrodermica).3 In Deutschland betrifft die Erkrankung etwa 2 Millionen Menschen jährlich. Diese leiden, in Abhängigkeit des Schweregrades, häufig an einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität in Form einer Behinderung bzw. psychosozialer Stigmatisierung.2

Kinder und Jugendliche sind mit einer kumulativen Prävalenz von 0,71 % seltener als Erwachsene von Plaque-Psoriasis betroffen. Dennoch ist der Anspruch an die Versorgung hoch: einerseits angesichts der Chronizität der Erkrankung und andererseits aufgrund der mit ihr verbundenen bedeutsamen Einschränkung der Lebensqualität.4,5

Krankheitsbild

Die Psoriasis äußert sich in fleckenförmigen Krankheitsherden. Die Areale zeigen sich als erhabene, scharf und unregelmäßig begrenzte, rötliche Plaques der Haut mit silbriger Schuppung. Am häufigsten sind sie an den Streckseiten der Extremitäten (Knie, Ellenbogen), an der Kopfhaut und am Steißbein lokalisiert und gehen mit starkem Juckreiz einher. Die entzündlichen Prozesse werden hauptsächlich durch aktivierte T-Zellen und Antigen-präsentierende Zellen vorangetrieben, die verschiedene Chemokine und Cytokine freisetzen, welche zu einer gestörten Zelldifferenzierung führen.6-9 Zu den Signalmolekülen gehört hierbei auch der Tumornekrosefaktor α (TNF-α).

Bei Kindern und Jugendlichen ähneln die charakteristischen erythematosquamösen Plaques grundsätzlich denen von Erwachsenen. Die Herde sind oft kleiner, weniger infiltriert sowie geringer schuppend und können vor allem bei Atopikern ekzematisiert sein.10 Weitere Unterschiede zum Krankheitsbild von Erwachsenen ergeben sich hauptsächlich durch die Lokalisation der Manifestation: Plaques im Gesicht, an den Hand- und Fußsohlen sowie im Genitalbereich sind bei Kindern und Jugendlichen häufiger.4,10 Auch die Psoriasis guttata mit kleinen, tropfenförmigen Hautläsionen ist eine für das Kindesalter typische Psoriasisform.

Leitliniengerechte Behandlung (Stand: 01.06.2021)

Zur aktuellen Leitlinie für Erwachsene | Zur aktuellen Leitlinie für Kinder und Jugendliche

Bei allen Betroffenen, also sowohl Erwachsenen als auch Kindern und Jugendlichen, ist die tägliche Basistherapie in Form von wirkstofffreien topischen Externa, bei stärkerer Schuppung unter Anwendung von Harnstoff (und Salicylsäure bei Erwachsenen) zu empfehlen.4.11

Erstlinientherapie bei Erwachsenen11

Gemäß der deutschen Leitlinie wird der Einsatz von Biologika wie Adalimumab bei der Behandlung der mittelschweren bis schweren Psoriasis bei Erwachsenen empfohlen, wenn die konventionellen Erstlinientherapien keinen ausreichenden Therapieerfolg erwarten lassen, oder bei Unverträglichkeiten, Kontraindikationen oder nicht ausreichenden vorangegangenen Therapien.10

In der Erstlinie erfolgt die Therapie daher in der Regel mit

  • UV-B, Photo, Balneo-PUVA
    Oder
  • Acitretin
    Oder
  • Ciclosporin
    Oder
  • Fumarsäureester
    Oder
  • Methotrexat (MTX)

Oder, falls konventionelle Erstlinientherapien keinen ausreichenden Behandlungserfolg erwarten lassen:

  • Adalimumab
    Oder
  • Brodalumab
    Oder
  • Certolizumab
    Oder
  • Guselkumab
    Oder
  • Ixekizumab
    Oder
  • Risankizumab
    Oder
  • Secukinumab
    Oder
  • Tildrakizumab

Second-Line-Therapie bei Erwachsenen11

Bei nicht ausreichendem Therapieerfolg, Unverträglichkeit, Kontraindikation

  • Apremilast
    Oder
  • Etanacerpt
    Oder
  • Infliximab
    Oder
  • Ustekinumab

Topische Therapieoptionen bei Kindern und Jugendlichen4

Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen wird zunächst meist topisch therapiert. Die Leitlinie [Kinder-Jugendleitline] empfiehlt:

  • Calcipotriol (zugelassen ab 6 Jahren)
    Oder
  • Tacalcitol (zugelassen ab 12 Jahren)
    Oder
  • Lokale Kortikoide
    Oder
  • Stationär Ditrhranol

Daneben mit Einschränkungen empfohlene topische Therapieoptionen sind nur in der Off-Label-Anwendung möglich.

Während die PUVA-Therapie bei Erwachsenen mit Psoriasis fest etabliert ist, ist ihre Anwendung bei Kindern kontraindiziert und eine UV-A-Licht-Monotherapie nur eingeschränkt effektiv.

First- bzw. Second-Line-Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis4

Mittelschwere bis schwere Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen kann laut Leitlinie4 bereits ab der ersten Therapielinie über die topische Therapie hinausgehend behandelt werden. Dabei stellt der TNF-α-Inhibitor Adalimumab (zugelassen ab 4 Jahren) die einzige für die Erstlinientherapie von Kindern und Jugendlichen zugelassene empfohlene Therapieoption dar.

Bei nicht ausreichendem Therapieerfolg stehen als Second-Line-Optionen zwei weitere Wirkstoffe zur Verfügung. Andere verfügbare Medikamente verschiedener Wirkstoffklassen ermöglichen eine Therapie im Off-Label-Bereich.

Abb. 1 mod. nach [4]

Abb. 1 mod. nach [4]

Abb. 2 mod. nach [4]

Abb. 2 mod. nach [4]

Literatur:

1. Nevitt GJ, Hutchinson PE. Psoriasis in the community: prevalence, severity and patients' beliefs and attitudes towards the disease. Br J Dermatol 1996, 135:533-537
2. Schmid-Ott G, Malewski P, Kreiselmaier I, Mrowietz U. Psychosocial consequences of psoriasis-an empirical study of disease burden in 3753 affected people. Hautarzt 2005, 56:466-672
3. Globaler Bericht zur Schuppenflechte der WHO 2016. https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/204417/9789241565189-ger.pdf;jsessionid=5BCDC1D28A7D6F13C784D46DE44138A6?sequence=11 Letzter Zugriff 01.06.2021
4. Deutsche Dermatologische Gesellschaft. S2k-Leitlinie Therapie der Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen; 2019. Online unter: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-094.html Letzter Zugriff: 01.06.2021
5. Augustin M, Glaeske G, Radtke MA, et al. Epidemiology and comorbidity of psoriasis in children. Br J Dermatol. 2010; 162: 633-6.
6. Bos JD, De Rie MA. The pathogenesis of psoriasis: immunologicalfacts and speculations. Immunol Today 1999, 1:40–45.
7. Gottlieb AB. Immunopathogenesis of psoriasis. Arch Dermatol 1997, 133:781–782
8. Baker BS, Fry L. The immunology of psoriasis. Br J Dermatol 1992, 126:1–9
9. Ortonne JP. Aetiology and pathogenesis of psoriasis. Br J Dermatol 1996, 135(suppl 49):1–5
10. Bronckers IM, Paller AS, van Geel MJ, et al. Psoriasis in Children and Adolescents: Diagnosis, Management and Comorbidities. Paediatric drugs. 2015; 17: 373-84.
11. Nast A et al. Deutsche S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris Update 2021. AWMF-Reg. 013/001. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-001.html Letzter Zugriff: 01.06.2021